James in Paris – 2 (WIP)

[Folgeband zu „Toujours“. Work in Progress und absolute Rohfassung. Das Ende steht für diesen Band noch nicht fest, und welche Szenen es in die Endversion schaffen werden, ist auch noch nicht sicher.
CNs für diese Szene: Nacktheit, Verletzungen]

Cassari rührte sich kaum, als Lucas ihm ins Badezimmer folgte. Den Kopf hielt er gesenkt, stand schräg zur Wand, vor der Dusche. Er sprach kein Wort.

Lucas hatte der Tür einen leichten Schwung mitgegeben, so dass sie hinter ihm einen Spalt weit offen stehen blieb. Sekundenlang betrachtete er Cassari, der einfach so dort stand, den Blick auf einen Punkt am Boden gerichtet, irgendwo an der Kante zur Wand hin. Seine Miene war schwer zu lesen. Erschöpft war er sicherlich.

„Na?“, versuchte es Lucas. Ein wenig herausfordernd. Aber da war nicht mehr die geringste Streitlust, der er hätte begegnen können.

Cassari war den Tränen nahe, das erahnte Lucas. Er sagte nichts weiter. Den Bruchteil einer Sekunde, sehr vorsichtig, hilfesuchend vielleicht, sah Cassari zu ihm auf. Und senkte den Blick so zügig wieder, dass Lucas ahnte: Sich zu vergewissern wäre überflüssig. Mit einer nebensächlichen Bewegung schloss er die Tür. Sie waren allein.

Lucas betrachtete Cassaris Körper, die Spuren seiner unsanften Behandlung mit der Peitsche zuvor. Er tat es eingehend, langsam, aber sanft. Er wusste, in einem falschen Moment hätte diese ganze Situation, der enge Raum, die geschlossene Tür, bedrohlich wirken können, gerade auf Cassari. Jetzt war das anders. Heute, nach diesem Spiel, von dem Lucas wusste, wie sehr es an Cassaris Grenze gegangen sein musste, war es Liebkosung, Achtsamkeit, Geduld. Ein Moment, für den er sich Zeit nahm. Und der Beginn davon, diese Session zu beenden, die eben nicht aufgehört hatte, als Lucas den Raum verlassen und Cassari und James allein gelassen hatte. Es war Lucas‘ Entscheidung gewesen, Cassari diesem Fremden zu überlassen, der bei aller Unsicherheit und Jugend nicht so harmlos sein konnte, wie er erschien, allein schon, weil es Kanar war, der ihn hierher eingeladen hatte. All die Zeit, auch von nebenan her, aus dem Wohnzimmer, hatte die Verantwortung weiter bei Lucas gelegen. Und erst jetzt, in diesem Moment, in dem er James aus dem Spiel herausnahm, mit der geschlossenen Tür eine Barriere schuf, die auch Geräusche und Sprache deutlich abdämpfte, war da überhaupt Raum für Empfindungen, auf Cassaris Seite.

Langsam streckte Lucas eine Hand nach Cassari aus, strich ihm zunächst über den Arm. Keine Reaktion. Oh ja, er hatte seinen Sub heute gut erwischt. Auf einer gewissen Ebene schien Cassari noch nicht zu begreifen, was da in den letzten Stunden geschehen war.

Mit Widerstand rechnete Lucas von ihm nun nicht mehr. Und war überrascht, als Cassari zwar im ersten Moment folgte, als Lucas ihn in Richtung der Dusche schob, sich dann aber doch zur Seite drehte. Obwohl er noch immer zu Boden sah, bemerkte Lucas, dass ihm die Tränen in den Augen standen. Als er ihm den Arm entgegenstreckte, ließ Cassari sich darauf beinahe auf der Stelle ein, drückte sich an ihn und weinte.

Er zog sehr wohl scharf die Luft ein, als Lucas in ihrer Umarmung einige seiner zahlreichen, länglichen Wunden berührte. Aber Lucas fühlte: Das war nicht Teil des Problems, sondern eher Teil der Lösung. So erschöpft und überfordert Cassari auch sein mochte, weinen würde er allein deswegen nicht. Körperlicher Schmerz dagegen, gerade im Zusammenspiel damit, das funktionierte. Und das Weinen tat ihm gut. Lucas hielt ihn fest, streichelte ihm über den Rücken und ließ ihn.

„Komm, du kannst damit nicht schlafen“, sagte er irgendwann aber doch leise und schob ihn etwas von sich. Allzu lange wäre es zum Sonnenaufgang inzwischen nicht mehr. Und danach würde es ein Ding der Unmöglichkeit werden, den anderen Vampir überhaupt noch dazu zu bekommen, sich von der Stelle zu bewegen. Geschweige denn, dass Lucas von ihm Unterstützung hätte erwarten können, diese Wunden auszuwaschen.

Sie beide wussten: Angenehm würde das nicht werden. Gerade die tieferen Kratzer würde Lucas ordentlich abschrubben müssen, die zerstörte Haut abreiben, damit die Heilung einsetzen könnte. Nach all dem heute würde es eine Zumutung werden.

„Nein“, schluchzte Cassari, leise zwar und undeutlich, aber verständlich genug, als Lucas ihn nun wiederum unter die Dusche bugsierte. Zwar ließ er es sich dieses Mal gefallen und blieb stehen, wo Lucas ihn haben wollte. Aber als Lucas die Hand zur Brause hob, einen Ärmel bereits zurückgekrempelt, sah er flehend zu ihm auf.

„Bitte, Lucas“, flüsterte er, gerade so hörbar. „Ich habe genug.“

Lucas zögerte. Als er Cassari aber schließlich doch wieder einen Arm entgegenhielt, ging der darauf auf der Stelle dankbar ein, und mehrere Male schluchzte er heftig auf. Auch als Lucas ihn eine Weile festgehalten hatte, beruhigte er sich nun kaum.

Lucas begriff, und er beschloss, Konsequenzen zu ziehen. Cassari war vollkommen aufgelöst, als Lucas sich von der Seite her einen dunklen Bademantel griff und ihn um seinen wunden Körper legte. Er zuckte merklich, als der Stoff seine Haut berührte. Aber er ließ es geschehen. Und schien auf der Stelle zumindest etwas ruhiger zu werden, denn die Symbolkraft hiervon war doch deutlich. Unter die Dusche würde es für ihn, heute, vorerst nicht mehr gehen. Und Kleidung, rein aus Prinzip, machte einen Unterschied. Nackt sein, ausgeliefert, vorgeführt – all das war damit beendet, zumindest für diesen Moment.

Zügig klammerte Cassari sich an Lucas, ehe der Gelegenheit bekam, die Session für beendet zu erklären und ihn stehenzulassen. Der schmunzelte zwar darüber. Aber er tat ihm den Gefallen und rührte sich danach gut eine Minute nicht vom Fleck, hielt ihn stattdessen sanft weiter fest.

„Schön, aber wenn wir das so machen, schläfst du heute bei mir“, erklärte Lucas leise. „Und wenn die Sonne untergeht, werde ich auf der Stelle dafür sorgen, dass du aufstehst.“

Autor: Shiverrania

Schreibt schwule und trans* Phantastik mit kinky Elements, teilweise aber auch Gesellschaftskritisches.

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