James in Paris – 1 (WIP)

[Folgeband zu „Toujours“. Work in Progress und absolute Rohfassung. Das Ende steht für diesen Band noch nicht fest, und welche Szenen es in die Endversion schaffen werden, ist auch noch nicht sicher.
CNs für diese Szene: Nacktheit, Verletzungen]

Die Zeit verging wie im Flug. Es war nicht mehr spät, es war früh.

Längst hatte der Klub unten geschlossen. Das Gewölbe schon länger, später auch der Hauptraum.

Viel mitbekommen hätten James und Cassari nicht davon, hätte nicht Lucas zwischenzeitlich nach ihnen gesehen. Der Hinweis auf den baldigen Schluss richtete sich wohl in der Hauptsache an Cassari. Aber der hatte den Kopf geschüttelt. Noch immer lagen sie beieinander auf dem Bett mit dem weinroten Laken, das inzwischen einige Flecken abbekommen hatte. Aber sie waren zu sehr mit sich beschäftigt gewesen, gegenseitig, um sich daran zu stören.

Inzwischen war es still geworden zwischen ihnen. James war ungewöhnlich ruhig. Friedlich, während sie beide vor sich hin dösten. Der Körper des Vampirs war noch immer überzogen von Rötungen und Striemen, teilweise sichtbar tief, und ähnlich wie bei Menschen nässten die Wunden etwas. Dennoch lag Cassari ruhig da, einen Arm seitlich um James gelegt. Zu kümmern schien es ihn nicht.

„Tut das denn nicht weh?“, fragte James irgendwann leise. Eine Weile blieb es still.

„Mhm“, bestätigte Cassari dann, ebenso leise, murmelnd, und ohne die Augen zu öffnen. „Ich mag es.“

Mit einem tiefen Atemzug wandte er James einige Zeit später doch den Kopf zu und sah ihn an. Langsam. Müde vielleicht?

„Es ist nicht so… leicht, bei uns, dafür zu sorgen, dass es Spuren gibt, weißt du?“, erklärte er, und sprach noch immer leise. „Nicht wie bei Menschen. Normalerweise verheilt es sofort.“

Zärtlich strich er James über die Seite und lächelte ihm zu.

„Deine Kratzer sind auch weg?“

Es klang nicht ganz wie eine Frage, eher wie eine Feststellung. James blieb liegen. Er sah schräg über seine Schulter, fühlte nach.

„Ja, richtig“, sagte er. Und stutzte selbst darüber. Aufgefallen war es ihm bisher nicht. Noch immer lächelte Cassari ihm zu.

„Ist schon eine Weile so. Aber im Aufzug hattest du sie noch. Ganz so schnell wie bei uns funktioniert es also wohl nicht.“

„Ja, es… läuft irgendwie, wie es will, ich kann es nicht kontrollieren“, erklärte James. „Manchmal passiert es sofort, manchmal eine Stunde später.“ Er biss sich auf die Lippe. „Kanar hat… verboten, dass ich über irgendetwas spreche“, fügte er hinzu. Wie schon Cassari eben sprach er noch immer leise. „Aber eigentlich ist es gar nicht so, dass ich viel wüsste. Es passiert eben. Ich habe keine Erklärung.“

Zärtlich strich Cassari ihm über die Wange.

„Ist schon gut, du musst über nichts reden“, versicherte er.

„Und schon gar nicht mehr heute, denn allmählich ist es wirklich spät“, ergänzte eine weitere Stimme von der Tür.

Lucas stand dort, lehnte locker gegen den Rahmen und sah auf sie herab. Momentan wandte Cassari ihm den Rücken zu. Und er machte keine Anstalten, das zu ändern. Den Kopf allerdings senkte er leicht. Widerworte gab er keine.

Lucas lächelte James zu, was der scheu erwiderte. Langsam trat der Vampir näher ans Bett heran und strich Cassari über die Schulter, ein Stück den Arm entlang.

„Na komm, es wird Zeit“, flüsterte er ihm zu. Und ohne zu zögern, ohne selbst James noch einmal einen Blick zuzuwenden, gehorchte Cassari. Gesenkten Hauptes drehte er sich der Bettkante zu, stand auf. James fiel deutlich auf, wie er Lucas dabei nahe blieb: schweigend, still. Noch während er aufstand, schmiegte Cassari sich gegen ihn, nackt wie er war, lehnte die Stirn leicht gegen Lucas‘ Schläfe. Lucas erwiderte die Geste, aber ohne ihn anzusehen. Selbst als er Cassari eine Hand an die Hüfte legte und ihn mit einer sanften, fließenden Bewegung von sich schob, blieb er James zugewandt. Cassari protestierte auch jetzt nicht. Er gehorchte der wortlosen Aufforderung und ging voran in den Flur.

Inzwischen hatte sich auch James aufgesetzt, blickte ihm hinterher. Als er Lucas fragend ansah, lächelte der ihm zu. Und warf nun doch einen Blick herüber zur Tür.

„Ich weiß, er mag seine Spuren“, erklärte er. „Aber es ist besser für ihn, wenn er nicht damit einschläft.“

„Klar, verstehe ich.“

James fühlte sich etwas verloren, so allein mit Lucas im Raum. Inzwischen war auch er nackt, und Bettzeug gab es hier nach wie vor keines. Nach seinem Shirt zu greifen, um sich zu bedecken, wäre ihm andererseits spießig vorgekommen. Aber getan hätte er es gerne.

Glücklicherweise schien Lucas sich bloß vergewissern zu wollen, dass es ihm gut ging. Einen Moment wartete er noch ab, wandte sich dann selbst der Tür zu.

„Und bei dir ist alles in Ordnung soweit?“, fragte er jedoch noch.

James nickte.

Könntest du bitte woanders hingucken, flehte er unterdessen in seinen Gedanken. Lucas kam seiner Bitte nach. Aber er tat es mit einem verdächtigen Grinsen. James zog den Kopf ein.

„Kann… ich solange irgendetwas tun?“, bot er noch an, als Lucas die Tür erreichte. Zügig nutzte James die Gelegenheit und zog nun doch sein Shirt zu sich, solange der andere ihm den Rücken zukehrte.

Lucas sah noch einmal zu ihm zurück, als James ihn ansprach, schüttelte aber den Kopf. Weiter wirkte es freundlich. Einen leicht kritischen Blick warf er allerdings über das Bettlaken.

„Du könntest das Laken wechseln, wenn du darauf bestehst, dich nützlich zu machen“, meinte er, und deutete auf eine Kommode an der Fensterseite. „Untere Schublade. Ist aber wirklich nicht nötig.“

„Ist in Ordnung, kein Problem“, erwiderte James jedoch schnell. Kurz nickte Lucas ihm zu. Dann ließ er ihn allein.

Autor: Shiverrania

Schreibt schwule und trans* Phantastik mit kinky Elements, teilweise aber auch Gesellschaftskritisches.

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