Von Liebe und Familien I: Weiß – Leseprobe

(Textauszug aus Kapitel 7)

„Stört es dich?“, fragte er, machte eine Geste den Flur hinab. „Was du von da unten hörst? Findest du es schlimm?“

James presste ein wenig die Lippen aufeinander.

„Ehrliche Antwort?“, fragte er nach, sich sehr bewusst, dass sein Gegenüber vielleicht nicht dahinter steckte, aber dem Ganzen wohl auch kaum abgeneigt sein dürfte.

„Nur ehrliche Antworten“, erwiderte Kanar fest, und James nickte, brauchte noch einen Moment Zeit.

„Ich weiß nicht“, sagte er dann. „Es ist unheimlich, wenn ich mir vorstelle, dass er das mit mir machen könnte. Aber nein. Ich denke, es stört mich nicht so sehr, wie es das sollte.“

Kanar neigte ein wenig den Kopf.

„Weißt du, ich war mal sehr kurz in einem Kampfsportverein“, setzte James erneut an, als es nun eine ganze Weile still blieb zwischen ihnen. „Aber das hat nicht funktioniert. Ich war nicht gut. Meine Haltung war mies, die Bewegungsabläufe habe ich nicht im Geringsten beherrscht. Aber das war auch nicht nötig, weil ich jedem der Trainer auch so den Arm hätte brechen können, wenn ich das gewollt hätte. Und weil ich das die ganze Zeit wusste.“ Er schwieg kurz. „Andererseits kam ich nicht dazu, mich aufs Lernen zu konzentrieren, weil es so unglaublich anstrengend war, niemandem wehzutun. Ich habe es ziemlich schnell wieder gelassen.“

Kanar lächelte.

„Bittest du mich gerade, dich zu trainieren?“, fragte er. Etwas ratlos zuckte James mit den Schultern, musste nun erstmals etwas schüchtern wirken, als er dieses Lächeln erwiderte.

„Ja, vielleicht“, gab er zu. Als Kanar ihn noch eine Weile betrachtete, sich dann von der Wand abstieß, ein Stück weit auf ihn zukam und den Arm nach ihm ausstreckte, wurde ihm sehr mulmig zumute.

„Bittest du mich noch um etwas anderes?“, fragte er mit derselben Direktheit. Ein Stück weit strich er ihm über den Körper, ließ die Hand schließlich sanft, ganz leicht auf James’ Brust ruhen, als der es zuließ. Behielt jedoch für den Anfang einen sichtbaren, respektvollen Abstand bei, der es James leichtgemacht hätte, zurückzuweichen, hätte er das gewollt. James schluckte. Presste die Lippen aufeinander. Und überwand sich schließlich zu einem Kopfschütteln.

„Ich fürchte, das kann ich nicht“, sagte er, musste sich schon bemühen, sich überhaupt dazu zu äußern.

„Doch, kannst du“, widersprach Kanar, suchte seinen Blick und begegnete ihm direkt, als James es wagte, ein Stück weit darauf einzugehen. „Ist kein Problem.“

Langsam kam er näher. Ließ ebenso langsam, ganz allmählich, diese Hand von James‘ Brust zu seiner Taille wandern. Und James ließ es geschehen. Schloss über mehrere Sekunden die Augen, während er diese Hand dort spürte. Und fühlte, dass da in der Tat noch deutlich mehr war, das er gewollt hätte.

Gott, das darf einfach nicht sein!, fuhr es ihm durch den Kopf. Kanar jedoch lächelte bloß, fasste dann James’ Hand, ganz leicht, und legte sie ebenso langsam über die Seine, die noch immer sanft auf James‘ Taille ruhte. Und weiter ließ James es zu. Wagte es nach einer Weile sogar, ein wenig über seine Finger zu streicheln. Als Kanar ihm daraufhin näher kam und auch den anderen Arm um ihn legte, sanft und langsam, presste er jedoch erneut die Lippen aufeinander und wandte sich ein Stück weit ab.

„Schon gut“, beruhigte Kanar ihn, und hielt ihn einfach fest. „Ist in Ordnung.“ Und allmählich gab James auch jetzt wieder nach, schmiegte sich gegen ihn. Der Körper des Vampirs war kalt. Aber ihn störte das nicht, im Gegenteil. In gewisser Weise erschien es ihm sogar richtig so.

„Keine Angst“, sagte Kanar leise, während er ihn nun sehr dicht zu sich zog, und begann, ihm zärtlich über den Rücken zu streichen. „Ich lasse mir Zeit mit dir. Und es passiert nichts, worum du dir Sorgen machen müsstest.“ Sanft küsste er ihn auf die Wange.

„Suchen wir uns ein Zimmer.“

 


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Autor: Shiverrania

Schreibt schwule und trans* Phantastik mit kinky Elements, teilweise aber auch Gesellschaftskritisches.

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